Der für Österreich zuständige armenisch-apostolische Bischof Tiran Petrosyan hat an die politisch Verantwortlichen in Österreich wie im gesamten Westen appelliert, endlich ernsthafte Bemühungen in Angriff zu nehmen, um die Blockade von Berg-Karabach durch Aserbaidschan zu beenden. Wenn die Menschenrechte auf dem Spiel stehen, müssten wirtschaftliche Interessen zurückstehen, forderte der Bischof. Den 120.000 Bewohnern von Berg-Karabach (Artsach) drohe eine humanitäre Katastrophe, die bereits ihren Anfang genommen habe.
Warum stehe der Westen geschlossen aufseiten der Ukraine und lasse zugleich die Bevölkerung von Berg-Karabach im Stich, zeigte sich der Bischof fassungslos. Hier werde mit zweierlei Maß gemessen, kritisierte der Bischof: "Wo bleibt die Hilfe des Westens für Berg-Karabach?"
Seit rund zwei Wochen Tagen blockieren aserbaidschanische Aktivisten die einzige Verbindungsstraße von Armenien nach Berg-Karabach. Es herrsche bereits akuter Mangel an Lebensmitteln und vor allem auch Medikamenten. Einige Personen seien bereits gestorben, weil sie medizinisch nicht mehr versorgt werden konnten, berichtete der Bischof.
Scharf ging Bischof Petrosyan auch mit westlichen Appellen ins Gericht, in denen beide Konfliktparteien aufgefordert würden, die Gewalt zu beenden. Es gebe nur einen Aggressor, und das sei Aserbaidschan. "Solche Appelle würden Aserbaidschan nur noch weiter ermutigen", so der Bischof.
Die Armenier von Berg-Karabch seien ein christliches Volk, Berg-Karabach eine Demokratie. Die Bewohner von Berg-Karabach wollten um nichts in der Welt unter aserbaidschanischer Oberhoheit stehen. Dass man ihnen die gleichen Rechte wie der Bevölkerung Aserbaidschans zusage, sei ein Hohn, betonte der Bischof. Aserbaidschan sei eine Diktatur, die Bevölkerung ohne Rechte.
Seit dem 12. Dezember hat Aserbaidschan die einzige Straße gesperrt, die Karabach mit Armenien verbindet (Latschin-Korridor). Rund 120.000 Menschen sind in Karabach isoliert. Vor wenigen Tagen gingen in Stepanakert, der Hauptstadt von Berg-Karabach, bis zu 70.000 Menschen auf die Straße, um auf ihre dramatische Situation aufmerksam zu machen und ein Ende der Blockade zu fordern.
Ein großer Teil des armenisch besiedelten Berg-Karabach ging im Herbst 2020 im Krieg an Aserbaidschan verloren. Damals war der lange Jahre eingefrorene Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach wieder aufgebrochen. Die Streitkräfte Armeniens bzw. Karabachs hatten der aufgerüsteten Armee Aserbaidschans wenig entgegenzusetzen. Ein Großteil Karabachs wurde von den aserbaidschanischen Truppen eingenommen, bevor am 9. November unter der Ägide Russlands ein Waffenstillstand ausgehandelt wurde.
Das Waffenstillstandsabkommen sah vor, dass der Korridor mit der Verbindungsstraße nicht an Aserbaidschan übergeben wird und russische Truppen stationiert werden, um den Verkehrsweg zwischen der Hauptstadt von Berg-Karabach, Stepanakert, und Armenien zu sichern. Die russischen Truppen unternehmen allerdings nichts, um die Blockade zu beenden. Zugleich ist für alle Experten klar, dass die Aktivisten von der aserbaidschanischen Regierung gesteuert werden. Zivilgesellschaftliche Aktionen sind in dem Land nur mit staatlicher Erlaubnis gestattet.