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27.09.2013

Diözesanreform soll Kirche aus sich herausführen

Kardinal Schönborn beim traditionellen Medienempfang im Erzbischöflichen Palais.

Eine Reform kirchlicher Strukturen soll die Kirche aus sich herausführen und eine bessere Präsenz von Christen in der Gesellschaft bringen. Mit dieser Zielvorstellung beschrieb Kardinal Christoph Schönborn beim Medienempfang am Donnerstag, 26. September 2013, die seit 2010 in Gang befindliche Wiener Diözesanreform. Der Wiener Erzbischof setzte dabei klare Querverbindungen zu jüngsten Aussagen von Papst Franziskus und dessen Vision einer Kirche, die neue Wege geht. Konkrete Beispiele dafür seien die im Oktober stattfindende nächste Wiener Diözesanversammlung sowie die Auftaktveranstaltung zum kirchlichen "Zukunftsforum" unter dem Motto "Wo drückt der Schuh" am Wiener Brunnenmarkt.

 

Mehr als offene Türen

"Statt nur eine Kirche zu sein, die mit offenen Türen aufnimmt und empfängt, versuchen wir, eine Kirche zu sein, die neue Wege findet, die fähig ist, aus sich heraus und zu denen zu gehen, die nicht zu ihr kommen, die ganz weggegangen oder die gleichgültig sind. Die Gründe, die jemanden dazu gebracht haben, von der Kirche wegzugehen - wenn man sie gut versteht und wertet - können auch zur Rückkehr führen. Es braucht Mut und Kühnheit", zitierte Kardinal Schönborn Papst Franziskus. Der Wiener Erzbischof sieht diese Worte auch als Sukkus des 2010 gestarteten Transformationsprozesses in seiner Erzdiözese.

 

Die Gefahr sei - so Schönborn -, dass einige Wiener Gemeinden sich mit der Last von zu groß gewordenen Bauten und Strukturen abmühten, "so dass sie keine Kraft mehr haben, aus sich herauszugehen". Weil eine "Verkernung" der Gemeinden drohe, solle es beim Transformationsprozess ("Diözesaner Entwicklungsprozess der Erzdiözese Wien/APG 2.1) primär um "geistlichen Wandel" gehen, führte der Kardinal aus: "Es geht um lebendiges Christentum in einer Zeit, in der die Kirche zwar noch die Mehrheit der Bevölkerung erfasst, in der ihr Kern aber doch Minderheit geworden ist."

 

Von Minderheiten lernen

Die Kirche könne viel über diese Minderheitssituation vom Judentum lernen, sagte Schönborn. Gläubige Juden hätten die Überzeugung, dass sie für die Stadt, in der sie leben, ein Segen sind, weil sie "Auserwählte" seien. Genauso sollten Christen ihre Präsenz in Nachbarschaften, wo sie heute in der Minderheit seien, als Segen ansehen, "weil sie den Schatz des Evangeliums erhalten haben".

 

Konkret erwähnte der Wiener Erzbischof in diesem Zusammenhang die durch Migration gekennzeichneten Bezirke 10 (Favoriten) und 15 (Rudolfsheim-Fünfhaus). Hier sei eine Reduktion der Zahl der Pfarren in Gange, mit dem Ziel einer "besseren, effizienteren Präsenz von Christen in einer stark von Migration geprägten Umgebung".

 

Die Ausführungen Schönborns standen im Blick auf die von 17. bis 19. Oktober geplante nächste Diözesanversammlung im Rahmen von "APG 2.1". Wie der Wiener Erzbischof in seiner Rede vor den Journalisten berichtete, würden mehr als 1.400 Delegierte zu dem Großevent erwartet.

 

"Wo drückt der Schuh"

Als weitere Initiative der Kirche, die in den nächsten Monaten viel bewegen könnte, erwähnte der Kardinal das von der Katholischen Aktion (KAÖ) initiierte Zukunftsforum. Er lud ein, zur Auftaktveranstaltung am 5. Oktober auf den Wiener Brunnenmarkt zu kommen, wenn möglich "mit zwei verschiedenen Schuhen". Die KAÖ will durch die "Schuh-Show" symbolisieren, dass es in Österreich Probleme gibt, die sich als "drückende Schuhe" erweisen.

 

"Bewahren sie ihre Aufmerksamkeit für Syrien", appellierte der Kardinal abschließend an die Medienschaffenden. Die Friedensinitiative von Papst Franziskus habe unerwartet viel bewirkt und ist ermutigend.