Für Christinnen und Christen ist das Bekenntnis zu Jesus als Sohn Gottes ein wesentlicher Bestandteil ihres Glaubens. "Wenn wir aber in die Bibel schauen, müssen wir feststellen, dass der Begriff 'Sohn Gottes' nicht unbedingt gleichbedeutend ist mit dem, was wir heute damit meinen", erklärt dazu der Wiener Bibelwissenschaftler Martin Stowasser. Außerdem, so eine weitere Überlegung, sei die zentrale Botschaft Jesu das Kommen der Gottesherrschaft gewesen und nicht seine Gottessohnschaft.
Beim unvoreingenommenen Lesen vieler Abschnitte aus dem Neuen Testament würde niemand auf die Idee kommen, dass Jesus hier Göttlichkeit zugeschrieben wird, so Stowasser.
Was ist gemeint, wenn die Bibel von "Sohn Gottes" spricht? Und in welchen Texten des Neuen Testaments wird die göttliche Dimension - mehr oder weniger deutlich – angesprochen? Diesen Fragen widmet sich Martin Stowasser, Professor für Neutestamentliche Bibelwissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, in einem Vortrag in der Reihe "Bibelwissenschaft für die Praxis" am 5. Oktober 2013, veranstaltet vom Wiener Pastoralamt.