Jesus ist kein Schönredner. Er verspricht nicht, dass alles besser und rosiger wird. Es kommen schwere Zeiten: Das ist die Kernbotschaft des heutigen Evangeliums. Und doch hat es zugleich einen hoffnungsvollen Ton. In allem Schrecklichen, das Jesus ankündigt, schwingt zugleich ein "Fürchtet euch nicht" mit.
Für welche Zeit hat Jesus das angekündigt? Für damals? Für heute? Anlass seiner ernsten Worte war die Begeisterung über die Pracht des Tempels in Jerusalem. Der von König Herodes großartig ausgebaute Tempel galt damals als eines der sieben Weltwunder. Da wirken Jesu Worte wie eine kalte Dusche: "Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem anderen bleiben, alles wird niedergerissen werden."
Was Jesus voraussagte, traf auch tatsächlich ein: Im Jahre 70 kam es zum Aufstand der Juden gegen die römischen Besetzer. Die römische Armee unter Titus schlug den Aufstand nieder und zerstörte den Tempel bis auf die Grundmauern. Heute besteht nur mehr ein Teil der westlichen Wand des einstigen Tempels. Mit seinen riesigen Quadern ist diese "Klagemauer" der heiligste Ort des Judentums.
Jesus blickt aber über dieses Ereignis hinaus. Immer wieder wird es schwere Zeiten geben. Das gilt auch für heute und morgen, für das, was auf uns zukommt. Drei große Prüfungen kündigte Jesus an: Es kommt eine Zeit arger Verwirrung; es wird heftige Naturkatastrophen geben; ihr werdet schwere Verfolgung erleiden.
Wer denkt bei der ersten Ankündigung nicht an den Nationalsozialismus und den Kommunismus, die im 20. Jahrhundert so viele Menschen irregeführt haben! "Lauft ihnen nicht nach!" Diese Warnung Jesu gilt auch heute: Lasst euch vom Zeitgeist, der Mode, den Trends nicht verwirren!
An Naturkatastrohen hat es nie gefehlt. Werden sie in Zukunft zunehmen? Vieles deutet darauf hin: Klimaerwärmung, Erdbeben, Tsunami. Auch Hungersnöte? Könnten sie bei uns wieder ausbrechen? Und nicht in nur Afrika?
Und schließlich die Verfolgung der Anhänger Jesu. Christenverfolgung hat weltweit erschreckend zugenommen, vor allem in islamisch geprägten Gegenden, aber nicht nur dort. Selbst in Europa wird Christsein zunehmend Anlass zur Ausgrenzung.
Jesus kündigt schwere Zeiten an. Und doch macht er keine Zukunftsangst. Seine Hilfe wird in aller Bedrängnis bei uns bleiben. An uns liegt es, standhaft zu bleiben. Und auf Gott zu vertrauen.