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18.11.2013

Kirchen in Österreich verstärken soziales Engagement

Zehn Jahre nach Veröffentlichung des "Ökumenischen Sozialworts" startet Projekt "Sozialwort 10+".

Die Kirchen in Österreich wollen ihr soziales Engagement verstärken und sich selbst, die Zivilgesellschaft und auch die Politik in die Pflicht nehmen. Zehn Jahre nach Veröffentlichung des "Ökumenischen Sozialworts" startet nun das Projekt "Sozialwort 10+". Ein breiter und bis zum 1. Adventsonntag 2014 dauernder Prozess der "Re-lecture" des Sozialworts im Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen soll dafür die Grundlage bilden, erklärte Bischofsvikar Nicolae Dura, Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), am Freitag, 15. November 2013, bei einer Pressekonferenz in Wien.

 

Lesekreise, Dialog und Interviews

Durch Lesekreise, Experteninterviews und Dialogkonferenzen sollen möglichst viele Menschen in den Prozess miteinbezogen werden, so Magdalena Holztrattner, Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreich (ksoe). Die Sozialakademie wurde vom ÖRKÖ mit der Durchführung des Projekts beauftragt. Holztrattner unterstrich, dass der Prozess ergebnisoffen sei. Ob dann in einem Jahr ein neues Druckwerk erscheint oder die Ergebnisse in anderer Form Verwendung finden werden, stehe noch nicht fest.

 

Schwerpunktthemen Asyl, Bildung, Pflege 

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker wies bei der Pressekonferenz auf einige zentrale soziale Herausforderungen hin, die den Kirchen besonders am Herzen liegen. So würden sich die Kirchen etwa mit vielen weiteren Akteuren der Zivilgesellschaft für eine grundlegende Überarbeitung der österreichischen Asyl- und Fremdengesetze einsetzen. Gut integrierte Personen dürften nicht abgeschoben, Familien nicht zerrissen und humanitäre Umstände müssten berücksichtigt werden. Weiters brauche es für Asylsuchende einen effektiven Zugang zu Arbeit und Bildung, eine menschliche Grundversorgung mit professioneller Betreuungs-Struktur und einen öffentlich finanzierten unabhängigen Rechtsbeistand.

 

Maßnahmen gegen Kinder- und Jugendarmut

Bünker forderte zudem verstärkte Maßnahmen gegen Kinder- und Jugendarmut, eine Bildungsreform, die diesen Namen auch verdient sowie mehr Initiativen zur sozialen Begleitung von Kindern und Jugendlichen im Zusammenwirken von Schulen und außerschulischen Einrichtungen.

 

Es brauche auch mehr Geld für die Betreuung alter und pflegebedürftiger Menschen, bessere Berufsaussichten für Menschen im Pflegebereich sowie mehr Unterstützung für pflegende Angehörige.

 

Und: Österreich müsse endlich seiner Verpflichtung nachkommen, 0,7 Prozent des Bruttonationalprodukts für Entwicklungshilfe und damit die weltweite Armutsbekämpfung aufzuwenden. Davon sei man nach wie vor meilenweit entfernt.

 

Auch wenn es derzeit Budgetprobleme gibt, dürfe das für eines der reichsten Länder der Welt keine Ausrede sein, den Einsatz gegen die Armut im eigenen Land und weltweit zurückzustellen, hielt Bünker fest.

 

Einjähriger Prozess

Kirchliche Gruppen und Organisationen sind ab sofort eingeladen, Lesekreise zu initiieren. Die Katholische Sozialakademie will die bis Ostern 2014 rückgemeldeten Ergebnisse dieser Kreise sichten und bündeln. Sie dienen in weiterer Folge als Grundlage für die Gestaltung von öffentlichen interreligiösen Dialogveranstaltungen. Ergänzend seien auch Interviews mit Experten und Schlüsselpersonen für die Umsetzung des Sozialwortes geplant, so ksoe-Direktorin Holztrattner.

 

Präsentiert werden sollen alle Aktivitäten und die entsprechenden Schlussfolgerungen des Ökumenischen Rates der Kirchen am 1. Adventsonntag 2014.

 

"Ökumenischer Meilenstein"

An der Erarbeitung des "Ökumenischen Sozialworts" waren alle 14 damals im ÖRKÖ vertretenen Kirchen beteiligt. Ein "ökumenischer Meilenstein" und "weltweit einzigartig", wie Bischofsvikar Dura bei der Pressekonferenz sagte. Das Sozialwort wurde in einem vierjährigen Prozess gemeinsam erarbeitet und umfasst ein breites Spektrum an Themen, von Bildung über Arbeit und soziale Sicherheit bis zu Frieden, Gerechtigkeit und Schöpfungsverantwortung. Veröffentlicht wurde es im November 2003.

 

Inzwischen hat der ÖRKÖ 16 Mitglieder, die sich nun wieder alle am Prozess beteiligen, wie ÖRKÖ-Vorsitzender Dura unterstrich.