In Maria erkennt der Mensch seine Bestimmung: Geliebt zu sein und von der Liebe verwandelt zu werden. Das sagte Papst Franziskus am Sonntag, 8. Dezember 2013, beim Angelusgebet auf dem Petersplatz. Von ihr könne man lernen, demütiger zu sein aber auch mehr Mut zu zeigen in der Nachfolge des Wortes Gottes, um die "zärtliche Umarmung ihres Sohnes Jesu zu empfangen", einer Umarmung, die Leben, Hoffnung und Frieden schenke.
Der Papst bezog sich auf das Fest der unbefleckt empfangenen Muttergottes Maria am 8. Dezember. An diesem Tag betrachte die Kirche Maria, die "voll der Gnade" sei. Franziskus lud die Pilger auf dem Petersplatz ein, sie persönlich zu grüßen: "Du bist voll der Gnade."
Gott habe Maria auserwählt, so der Papst weiter, die Mutter des Erlösers zu werden. Mit Blick auf diese Mutterschaft habe er sie von der Ursünde bewahrt, jenem "Bruch der Gemeinschaft mit Gott, mit den anderen und der Schöpfung", der das menschliche Wesen zutiefst verwundet habe. Dieser Bruch sei im Vorhinein geheilt worden in der Mutter desjenigen, der gekommen ist, die Menschen von der Sklaverei der Sünde zu befreien: "Die Immaculata ist eingeschrieben in die Vorsehung Gottes; sie ist die Frucht der Liebe Gottes, die die Welt rettet."
Zugleich hob Franziskus hervor, dass jeder Christ zur Heiligkeit und Unbeflecktheit von Sünde berufen sei wie Maria. "Auch wir sind von Gott schon vor Erschaffung der Welt dazu ausersehen worden, ein heiliges Leben frei von Sünde zu leben", so der Papst. Es handle sich um eine "Projekt der Liebe Gottes", dass jedes Mal erneuert werde, wenn sich die Menschen Gott anvertrauten. Dies geschehe vor allem durch den Empfang der Sakramente.
Am Nachmittag hat Papst Franziskus zum ersten Mal gemeinsam mit seinem Bistum Rom an der Mariensäule in der Altstadt nahe der Spanischen Treppe gebetet. Anlass war das Hochfest der Ohne Erbsünde Empfangenen Jungfrau und Gottesmutter, das am 8. Dezember gefeiert wird.
In einem Gebet wandte er sich um Fürsprache an die Muttergottes, "Hilf uns, aufmerksam auf die Stimme des Herrn zu hören: Den Schrei der Armen lasse uns niemals gleichgültig, das Leiden der Kranken und der Notleidenden finde uns niemals abgelenkt, die Einsamkeit der Alten und die Schwäche der Kinder bewege uns, so dass jedes menschliche Leben von uns immer geliebt und verehrt werde."
Nach einer Begrüßung durch die Geschäftsinhaber vor Ort und durch die Vertreter der Stadt Rom begrüßte der Papst besonders die Kranken und die Menschen mit Behinderung, die zur Mariensäule gekommen waren, um gemeinsam zu beten.
Weil das Hochfest der Gottesmutter in diesem Jahr auf den zweiten Adventssonntag fällt, hat die für die Liturgie zuständige Institution im Vatikan für Italien eine eigene Regelung erlassen: Es wird die unbefleckte Empfängnis gefeiert, aber die zweite Lesung in den Messen soll die des Advent sein und die geprägte Zeit soll auch in die Predigt und die Gebete Eingang finden.
Nach dem Abschluss der Gebetsstunde auf der Piazza di Spagna begab sich der Papst zur Basilika Santa Maria Maggiore, um dort vor dem Bild der "Maria Salus Populi Romani", dem Schutzbild der "Maria Beschützerin des römischen Volkes", zu beten.