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09.12.2013

Ordensfrauen gegen Prostitutionsverbot

"Verbot würde Frauen in Illegalität drängen: Nötig wäre Aufklärung der Freie", so Sr. Patricia Erber vom Ordensverein "Solwodi"

Eine klare Absage haben österreichische Ordensfrauen einem Prostitutionsverbot, das derzeit in Frankreich eingeführt und in mehreren Ländern Europas diskutiert wird, erteilt. "Es würde Frauen in Illegalität treiben und somit Menschenhandel, Zwangsprostitution und Zuhälterei verstärken", so die Stellungnahme von Schwester Patricia Erber, Obfrau des Vereins "Solwodi" (Solidarity with Women in Distress/Solidarität mit Frauen in Not), im Interview mit "Kathpress". Verbesserungen der Rahmenbedingungen für Prostituierte seien dennoch dringend nötig: "Die Weiterführung des Status quo wäre zu wenig", so Erber.

 

Armut und fehlende Alternativen, immer wieder jedoch auch Zwangsprostitution und Menschenhandel verbergen sich hinter dem Schritt von Frauen in die Prostitution, erklärte die Salvatorianerin. "Bei rund 85 Prozent der Prostituierten ist irgendeine Form von Zwang im Spiel." Dieser Zwang müsse bekämpft werden, wobei jedoch ein generelles Verbot nichts lösen würde. Ohnehin stünden Menschenhandel, Zwangsprostitution oder Zuhälterei bereits unter Strafe - "wenn diese auch zumeist nicht hoch genug ist", ergänzt Erber und erklärt: "Frauenarmut verschwindet nicht einfach mit einem Verbot von Sexarbeit."

 

Es brauche vielmehr Maßnahmen, "damit Frauen erst gar nicht in die Situation kommen, sich prostituieren zu müssen". Konkret fordert der Verein, der in Wien eine Schutzwohnung für ehemalige Prostituierte und Opfer von Menschenhandel betreibt, deshalb finanzielle Unterstützung, die Bereitstellung von Wohnmöglichkeiten und Angebote zur Weiterbildung für die betroffenen Frauen.

 

Frauen ohne Zugang zum Arbeitsmarkt

Viele von Österreichs Prostituierten, die meist aus Osteuropa, teils auch aus China und Nigeria kommen, befänden sich illegal im Land und hätten weder Zugang zum Arbeitsmarkt noch das Recht auf staatliche Unterstützung. "Für diese Frauen sind die Bedingungen noch einmal schwieriger und auch der Anteil derer, die Opfer von Zwangsprostitution und Menschenhandel werden, ist unter ihnen höher", so die Ordensschwester.

 

Trotzdem reiße das Angebot an billigen Sexarbeitern aus dem Ausland nicht ab. Grund dafür seien die fehlenden Perspektiven für die Frauen in ihren Herkunftsländern. Um Menschenhandel verhindern zu können, müssten deshalb wohlhabende westliche Staaten vor Ort in den betroffenen Regionen aktiv werden, forderte Erber. Es gebe "viele gute Aktionen" in den Herkunftsländern dieser Frauen - vielen fehle es aber am Geld.

 

Zweigleisiges Gesetz in Österreich

Handlungsbedarf sieht die Ordensfrau auch im Bereich der sozialen Absicherung für Prostituierte. Ein erster Schritt sei das Maßnahmenpaket von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, das im Rahmen des Nationalen Aktionsplans gegen Menschenhandel erarbeitet wird. Dabei soll es zu Änderungen im Arbeits- und Sozialrecht kommen. Einen zeitlichen Rahmen für das Paket gibt es noch nicht.

 

Im Maßnahmenkatalog des Vereins findet sich auch die Forderung nach einem bundesweiten Gesetz zur Prostitution. Bisher läuft die Gesetzeslage zweigleisig und "verkompliziere die Lage der Frauen nur unnötig". Der Bund regelt etwa, dass Sexarbeiter versichert werden und regelmäßig zu Gesundheitstests erscheinen müssen. Die Länder sind für die logistische Organisation zuständig, sprich: Sie stellen die Regeln bezüglich Bordelle und Straßenprostitution auf.

 

Problem von Angebot und Nachfrage

Prostitution sei schließlich auch ein Phänomen von Angebot und Nachfrage, betonte die Obfrau. Es brauche dringend Aufklärungskampagnen für Freier, denn noch immer sei Zwangsprostitution und Menschenhandel ein wenig beachtetes Thema in der Gesellschaft. "Häufig stellen sich die Freier gar nicht die Frage, wieso sich Frauen prostituieren und gehen wie selbstverständlich davon aus, dass sie das gerne machen." Immens wichtig sei hier verstärktes Augenmerk auf "die Würde der Frau, der Umgang mit ihr, sie nicht als Objekt, sondern als ebenbürtig zu sehen".