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18.12.2013

Familienverband: Zu "wenig Bildung" im Regierungsprogramm

KFÖ-Präsident Trendl: Einige wenige positive Ansätze können über fehlende Priorität des Bildungsthemas nicht hinwegtäuschen.

Entgegen "aller Absichtserklärungen" und abgesehen von "einigen wenigen positiven Ansätzen" vermisst der Katholische Familienverband Österreich (KFÖ) eine Priorität gegenüber Bildungsthemen im neuen Regierungsprogramm. "Das Kapitel Bildung besteht primär aus Absichtserklärungen, die großen Interpretationsspielraum zulassen" und sich hinter Schlagworten wie "Schnittstelle von Kindergarten/Volksschule" und "Stärkung der Schulautonomie und Schulpartner" verstecken würden, kritisierte KFÖ-Präsident Alfred Trendl am Mittwoch, 18. Dezember 2013. Positiv hob Trendl einige konkrete Ansätze zum Thema Kindergarten und elementare Bildung sowie das Bekenntnis zum Ausbau der ganztägigen Schulformen hervor.

 

Kindergartenjahr beitragsfei

Konkretes Beispiel für die positiven Änderungen im Bereich Kindergarten sei, dass das Kindergartenjahr für die Vierjährigen beitragsfrei werden soll. Dies könne "die Chancengerechtigkeit erhöhen und mehr Kinder auf die Bildungsreise mitnehmen". Voraussetzung dafür seien aber entsprechende Rahmenbedingungen. Bei den derzeitigen Gruppengrößen und ohne zusätzliches Personal scheine es unmöglich, gezielt Entwicklungs- oder Sprachdefizite auszugleichen. Im Oktober 2012 waren österreichweit 94,3 Prozent aller Vierjährigen in einer Betreuungseinrichtung, untermauerte Trendl seine Forderung.

 

Aufwertung der Betreuung durch Tageseltern

Positiv ist für Trendl das Bekenntnis zum Ausbau und zur "qualitativen Aufwertung" der Betreuung auch durch Tageseltern, der Sprachförderung, der schulischen Tagesbetreuung und der verschränkten Ganztagsschulen, in denen sich Unterricht, Lern- und Freizeit abwechseln. Das Regierungsprogramm sieht vor, dass es an jedem Standort mit mehr als einer Jahrgangsklasse bzw. "in zumutbarer Entfernung" eine Klasse geben soll, die nach diesem Modell geführt wird, sobald 15 - und in bestimmten Fällen zwölf - Schüler dafür angemeldet werden.

 

Nur Absichtserklärung

"Wenn das nicht nur eine Absichtserklärung bleibt, ist das zweifelsfrei ein wichtiger und notwendiger Beitrag zur Förderung der Kinder wie auch der Vereinbarkeit von Familie und Beruf", so der KFÖ-Präsident. Oberstes Prinzip müsse dabei allerdings die Wahlfreiheit bleiben. "Die Entscheidungsmöglichkeit zwischen verschränkter Ganztagsschule und Schule mit wahlweiser Nachmittagsbetreuung ist auf jeden Fall zu gewährleisten", forderte Trendl. Dabei sollen nicht ideologische Vorgaben, sondern Bedürfnisse der Eltern und Kinder maßgebend sein.

 

Absichtserklärungen verstecken sich für Trendl aber hinter den Überschriften "Schnittstelle von Kindergarten/Volksschule", "Stärkung der Schulautonomie" und "Stärkung der Schulpartnerschaft". Wie angesichts budgetärer Grenzen eine gemeinsame Schuleingangsphase zwischen Kindergarten und Volksschule aussehen könnte, bleibe die Regierung ebenso schuldig wie zusätzliche Stundenkontingente und standortübergreifende Stunden für Förderbedarf oder das Mehr an Bewegung und Sport.