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19.12.2013

Kardinal Schönborn: Papst legt Latte für die Kirche hoch

Wiener Erzbischof bei traditioneller Adventbegegnung mit ORF-Mitarbeitern.

Papst Franziskus stellt die Kirche auf radikale Weise vor die Frage, ob sie genug für die Armen lebt: Das hat Kardinal Christoph Schönborn am Mittwoch, 18. Dezember 2013, bei der traditionellen Adventbegegnung mit Mitarbeitern des ORF im Wiener Franziskanerkloster erklärt. "Der Papst legt die Latte für die Kirche hoch - mit einer Sprache, die man in der Kirche seit Franziskus nicht mehr gehört hat ist und mit Gesten und Aussagen, die nicht als Rhetorik zur Seite zu schieben sind", so der Wiener Erzbischof vor den über 150 anwesenden Journalisten.

 

"Evangelii gaudium"

Besonders hob Schönborn Aussagen aus dem apostolischen Schreiben des Papstes "Evangelii gaudium" hervor. "Der Papst stellt in den Raum, was uns blüht, wenn die Armen ausgeklammert bleiben: Wir gehen unter in einer spirituellen Weltlichkeit, die mit religiösen Übungen, unfruchtbaren Versammlungen und leeren Reden heuchlerisch verborgen ist", zitierte der Kardinal aus dem Dokument. Dieses beinhalte "nicht nur 'church bashing' mit päpstlichen Worten", sondern mahne ebenso die europäische Gesellschaft, etwa ihre Ängste vor Migranten und Flüchtlingen zu überwinden: Eine großherzige Öffnung zerstöre laut Franziskus nicht die eigene Identität, sondern schaffe neue kulturelle Synthesen.

 

Zu dieser Großherzigkeit und zur Ausrichtung auf die Armen rufe der Papst auch durch seine Taten und Gesten auf, auf denen seine mediale Stärke beruhe, so der Wiener Erzbischof. Herausfordernd und unbequem sei er dabei mit der Wahl der Flüchtlingsinsel Lampedusa als Ziel seiner ersten Reise gewesen, ebenso wie mit der ständigen Verwendung eines kleinen Autos, was etwa beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro deutlich sichtbar gewesen sei: "Das kleinste Auto in der Autokolonne der Security-Fahrzeuge war damals der kleine weiße Fiat des Papstes", rief Schönborn in Erinnerung.

 

Papst Franziskus ist ein großer Entscheider

Alle diese Gesten seien jedoch nicht für den medialen Effekt aufgesetzt, sondern für Franziskus immer Selbstverständlichkeit und dadurch auch glaubwürdig. "Der Papst macht es einfach. Er ist ein großer Entscheider, der viel zuhört und sich beraten lässt, jedoch dann auch entscheidet. Das ist seine Stärke", so der Kardinal.

 

Rückblickend auf das Jahr 2013, hob Schönborn die Rücktrittserklärung von Papst Benedikt XVI. am 11. Februar als "geschichtlichen Einschnitt" hervor, der erst den Boden für das Geschehen des Konklaves bereitet habe. "Dieser Schritt herunter eines Papstes, der sagte 'Die Aufgaben sind groß, doch ich habe nicht mehr die Kraft für sie', war eine große Überraschung für uns alle. Dieser Akt erst hat die Dynamik ausgelöst, die zur Wahl von Papst Franziskus geführt hat."

 

Nach der Papstwahl im März sei er selbst "happy, beschwingt, beglückt" gewesen, gestand der Kardinal. "Unglaublich" sei, wie dieses Ereignis die Menschen weltweit berührt habe, wobei den Medien eine wichtige Rolle in der Vermittlung dieser positiven Berührtheit zugekommen wäre. "Die Berichterstattung zeugte von großer Wertschätzung und von Interesse", so Schönborn auch in Blick auf den ORF. Er sei erfreut darüber, dass in Folge auch über den Weltjugendtag, der die Vitalität der lateinamerikanischen Kirche gezeigt habe, "deutlich ausgiebiger als in früheren Jahren" berichtet worden sei.