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21.02.2014

Macht euch keine Sorgen!

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 2. März 2014

Gleich fünfmal wiederholt es Jesus: Sorgt euch nicht! Nicht um eure Kleidung, nicht um euer Leben! Sorgt euch nicht um morgen! Und er gibt auch noch anschauliche Vergleiche zur Begründung: Die Vögel des Himmels! Seht sie euch an! "Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte." Gott ernährt sie. Ihr seid doch viel wertvoller. Wird er nicht noch viel mehr für euch sorgen? "Lernt von den Lilien des Feldes. Sie arbeiten nicht, und sind doch prächtiger als selbst König Salomon in seinen Prunkgewändern."

 

Diese berühmten Worte Jesu wirken aufs Erste wie ein Hohn, vor allem wenn man bedenkt, vor wem Jesus sie damals gesprochen hat: Das waren keine Reichen, die sorglos in den Tag leben können. Das waren zum Großteil Arme, Leidgeplagte, vom Leben geschundene Menschen. Ist es nicht geradezu zynisch, solchen Menschen zu sagen: Sorgt euch nicht um morgen? Taglöhner, die mühsam ihre Familien zu ernähren suchen, immer bedroht von Arbeitslosigkeit und Krankheit, Ausbeutung und Hungerlohn für schwere Arbeit.

 

Die Fragen werden noch schärfer, wenn wir uns trauen, sie Gott zu stellen. Wenn du, Herrgott, dich so um die Vögel und die Blumen kümmerst, sie nährst und kleidest, warum lässt du dann so viele Menschen verhungern und im Elend dahinleben? Wie ist das mit dem Wort, mit dem Jesus uns zum Vertrauen ermutigen möchte: "Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht"? Wenn er, der unser Vater ist, es weiß, warum lässt er dann soviel seiner Kinder ohne das Nötigste, das sie brauchen?

 

Eine Antwort auf diese so bedrängenden Fragen enthält wohl der Anfang des heutigen Evangeliums. Jesus stellt seine Zuhörer - damals wie heute - vor eine Wahl: Ihr müsst euch entscheiden zwischen zwei Herren, zwei Gesinnungen, zwei Lebenseinstellungen. Und Jesus macht klar: Ihr könnt nicht beide zugleich wählen. Denn sie sind unvereinbar.

 

Es geht nicht um eine allgemeine Theorie, nicht um Allerweltfragen, sondern um eine ganz direkte, persönliche Anfrage an mich: Was hat in meinem, in deinem Leben den ersten Platz? Was ist mir am Wichtigsten? Ist das Geld, der Mammon, der Wohlstand mein oberster Wert? Was immer in meinem Leben an höchster Stelle steht, das wird mein Gott. Ist es das Geld, dann werde ich es vergötzen und ihm alles unterordnen. Dann kommen die Katastrophen wie die Hypo in Kärnten, die ein ganzes Land (uns alle) viel kosten. Dann wird die Wirtschaft wichtiger als der Mensch, jene Wirtschaft, von der Papst Franziskus sagt, dass sie töte.

 

Oder es geht uns als oberstes Ziel "um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit". Dann werde ich aber alles tun, was in meinen Kräften steht, dass Menschen nicht verhungern und verelenden. Und dann werde ich erleben, dass Gott wirklich für uns sorgt, wenn wir mitsorgen und ihm vertrauen.