Die Zahl der erwachsenen Taufbewerber in der Erzdiözese Wien steigt weiter an. So werden heuer rund 130 Erwachsene auf dem Gebiet der Erzdiözese Wien getauft, die meisten davon zu Ostern. Zum Vergleich: Die aktuellsten Vergleichszahlen stammen aus dem Jahr 2012 und sprechen von 87 Erwachsenentaufen in der Erzdiözese. Die Zulassung zur Taufe erfolgte zu Beginn der Fastenzeit durch Kardinal Christoph Schönborn im Wiener Stephansdom. Zuvor haben sich die Taufwerber ein Jahr lang im Katechumenat - das ist die Vorbereitung auf die Eingliederung in die Kirche - vorbereitet.
Der Großteil der diesjährigen Taufkandidaten ist zwischen 25 und 50 Jahre alt und kommt aus vorwiegend aus Asien oder Europa, so Friederike Dostal, Leiterin des Wiener Referats für Erwachsenenkatechumenat. Es gebe sowohl Kandidaten, die aus anderen Religionen konvertieren wollen, "aber auch Menschen aus einem areligiösen oder religionsfeindlichen Umfeld".
Die Motive sind vielfältig, weiß Dostal. "Manche wollen Sinn im Leben finden, andere suchen die Gemeinschaft der Kirche, weil sie mit Christen gute Erfahrungen gemacht und Hilfe erfahren haben. Andere haben negative Erfahrungen mit Religionen und Kulten gemacht, von denen sie frei werden möchten." Die meisten ließen sich aber auf Grund einer persönlichen Gotteserfahrung taufen.
Die "Katechumenen" haben im Durchschnitt eine einjährige Vorbereitungszeit hinter sich. Friederike Dostal: "Bei der Vermittlung der Glaubensinhalte hat die Heilige Schrift oberste Priorität, wobei auf die kulturelle Herkunft der Taufbewerber wie auch auf die besondere Prägung des Glaubenslebens in Österreich geachtet wird. Anleitung zu persönlichem Gebet, das Einüben verschiedener Gebetsformen und die Reflexion der Erfahrungen auf dem Glaubensweg haben ebenso ihren Platz wie das Hineinwachsen in die Mitfeier der Sonntagsmesse."
Die lange und intensive Vorbereitung der Taufbewerber hat sich laut Dostal bewährt: "Im Vordergrund stehen Fragen nach Gott und das Zusammenspiel von Glauben und Vernunft, Probleme des Verständnisses der Bibel, der Tradition der Kirche und der christlichen Lebenspraxis." Die Entscheidung für die Taufe sei kein einfacher Schritt; die "Katechumenen" müssten vom Gebet vieler Menschen mitgetragen werden, damit sie Kirche auch als "geistliche Heimat" erleben können.
Der Zustrom zur Erwachsenentaufe sei in den letzten zwölf Jahren gestiegen, so Dostal. Sie geht davon aus, dass es auch in den nächsten Jahren einen Anstieg geben wird. Das liege einerseits an der immer stärker werdenden Migration wie auch daran, dass viele Eltern die religiöse Ausrichtung ihrer Kinder nicht mehr bestimmen wollen.
Die Erlaubnis zur Erwachsenentaufe gebe der jeweilige Diözesanbischof in der Feier der Erwählung und Zulassung zur Eingliederung in die Kirche am Beginn der vorösterlichen Bußzeit. Wien sei der absolute Spitzenreiter bei den Erwachsenentaufen, gefolgt von Linz mit 41 Taufen im Jahr 2012 und Salzburg mit 34. Am wenigsten Erwachsene haben sich mit vier Personen in der Diözese Eisenstadt taufen lassen, knapp hinter Feldkirch mit elf Personen. In der Diözese St. Pölten waren es im Jahr 2012 elf, in Innsbruck und Gurk-Klagenfurt 18 und in Graz-Seckau 27 Erwachsenentaufen.