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16.04.2014

"Ich wäre froh über eine Ökologie-Enzyklika"

Niederösterreichs Umwelt-Landesrat Stephan Pernkopf im Gespräch.

Was das Exsultet mit den vom Sterben bedrohten Bienen zu tun hat und warum eine nachhaltige Gesellschaft die drei Dimensionen Ökologie,  Soziales und Ökonomie umfasst. Niederösterreichs Umwelt-Landesrat Stephan Pernkopf, Präsident des Ökosozialen Forums, im Gespräch mit Stefan Kronthaler von der Kirchenzeitung "Der Sonntag":

 

Die Kirche besingt im Exsultet, dem Osterlob der Kirche, ein Tier, das es in den letzten Jahren unfreiwillig zu trauriger Berühmtheit gebracht hat...

 

Pernkopf: Das kann nur die Biene sein, das weiß ich seit meiner Ministrantenzeit. Die Biene ist wichtig. Manche haben die Bibelstelle "Macht euch die Erde untertan" einfach falsch verstanden. Denn es ist ein Verantwortungsauftrag, sorgsam mit der Schöpfung umzugehen. So verstehe ich auch ökosoziale Politik.

 

Was unternimmt Österreich gegen das Bienen-Sterben und was für die Erhaltung der Bienen(völker)?

 

Pernkopf: Die Diskussion, die wir in den letzten Monaten hatten, ist zu verkürzt abgelaufen. Das Thema Neonicitinoide (Anm. d. Red.: eine Gruppe von hochwirksamen Insektiziden) kann eine Ursache von vielen sein. Ich begrüße sehr, dass Bundesminister Rupprechter ein neues Bienen-Forschungsprogramm ins Leben gerufen hat, um auf alle Umstände des Bienensterbens draufzukommen. Die Natur, die Schöpfung braucht die Biene. Wir Menschen leben von den köstlichen Produkten der Biene, etwa Honig oder Bienenwachs, das ja auch in der Kirche eine Rolle spielt.

 

Papst Franziskus schreibt – laut Vatikan-Sprecher Lombardi  – an einer Ökologie-Enzyklika... Welche Themen müssen da unbedingt  drinstehen?

 

Pernkopf: Über eine solche Enzyklika wäre ich sehr froh, wie ich auch froh bin über Papst Franziskus. Er ist unkonventionell und glaubwürdig. Das, was er sagt, das tut er auch. Das sollten wir auch in der Politik viel mehr berücksichtigen. Zum Thema Ökologie braucht man nichts neu erfinden. Da gibt es das umfassende biblische Prinzip der Verantwortung für die Schöpfung und da gibt es das Prinzip der Nachhaltigkeit, das letztes Jahr 300 Jahre alt geworden ist und immer noch nichts an Richtigkeit verloren hat. Nämlich immer nur weniger zu entnehmen als nachwächst. Das ist ein ganz einfaches Prinzip und an das sollten sich alle halten.

 

Was meint diese ökologische Verantwortung konkret?

 

Pernkopf: Ökologische Verantwortung heißt für mich in erster Linie, sorgsam mit den Ressourcen umzugehen. Da sind wir weit weg davon, d. h. wir müssen von allen endenwollenden Ressourcen weg- und hin zu den wiedergenerierbaren Ressourcen kommen. Das gilt für die Energiepolitik genauso wie für Lebensmittel. Der Irrweg lautet, auf eine Massenproduktion zu setzen, wo ohne Berücksichtigung der Arbeits- und Sozialstandards gearbeitet wird. Auch das jetzt diskutierte Freihandelsabkommen ist für mich der falsche Schritt. Freihandel darf kein Freibrief für Chlor-Hendl oder Gentechnik- und Klonfleisch sein. Sondern wir müssen darüber reden, dass auch die regionale Produktion ihre Chance hat. Und dass es einheitliche ökologische und soziale Standards gibt.

 

Das Ziel der Ökosozialen Marktwirtschaft ist eine nachhaltige Gesellschaft: Was heißt das konkret?

 

Pernkopf:  Momentan ist die Finanzkrise in aller Munde. Eine Krise, die Gier und Habgier als Ursachen hat, wo niemand mehr an das Morgen gedacht hat. Wir müssen auch bei den öffentlichen Haushalten so wirtschaften, dass wir nicht der nächsten Generation einen Schulden-Rucksack übergeben, sondern dass wir auch denen, die nach uns kommen, Entwicklungsmöglichkeiten geben. Deswegen beschäftigen wir uns im Ökosozialen Forum nicht nur mit der Ökologie, sondern auch  mit Sozialstandards und mit der Wirtschaft. Die ökologische Idee wird nur dann zum Durchbruch kommen, wenn immer auch die Wirtschaft mitberücksichtigt wird. Es müssen Arbeitsplätze geschaffen und erhalten werden, dafür braucht es eine gesunde Ökonomie. Dabei dürfen wir den ökologischen und sozialen Aspekt nicht vergessen.

 

Also wie Papst Franziskus jüngst sagte:  "Der erste Zweck von Arbeit ist das Wohl der menschlichen Person?"

 

Pernkopf: Das ist der richtige Zugang, denn Arbeit hat auch mit Selbstwertgefühl zu tun. Wenn man mit Menschen spricht, die vorübergehend ohne Arbeit oder lange Zeit arbeitslos waren, dann sind die frustriert. Arbeit hat zutiefst auch mit Lebenserfüllung zu tun, etwas Sinnvolles zu machen. Wenn jemand arbeitslos ist, dann bedeutet das oft nicht nur eine öffentliche Brandmarkung, die ich entschieden ablehne, sondern auch zutiefst menschliches Leid. Die soziale Sicherung, ob Arbeitslosengeld oder andere Unterstützungsmaßnahmen, soll ein Sicherheitsnetz sein. Mir ist wichtig, dass die Unterstützung und Hilfe bei jenen ankommt, die sie wirklich brauchen.