Wie viele Seelsorgeräume gibt es bereits im Süd-Vikariat?
Bischofsvikar Rupert Stadler: 39 Pfarren mit über 60.000 Katholiken haben sich bereits in 11 Seelsorgeräumen in 11 (von 17) Dekanaten zusammengeschlossen und 3 weitere Seelsorgeräume sind startbereit.
Was zeichnet einen Seelsorgeraum aus? Was sind seine Stärken?
Nikolaus Csenar: Das jahrelang diskutierte, immer wieder adaptierte und somit verbesserte Konzept eines Seelsorgeraumes will grundsätzlich die Pfarrpastoral in allen Gemeinden, also auch in den vielen kleinen Pfarrgemeinden, auf Basis einer vernetzten Zusammenarbeit engagierter Katholiken langfristig sicherstellen und bürokratische Mehrbelastungen vermeiden.
Unter besonderer Berücksichtigung der Lebensumstände der jeweiligen Bevölkerung, beispielsweise Kindergarten, Schulen, Verkehrsanbindungen ..., schließen sich Gemeinden bewusst zur gegenseitigen Nutzung von Synergien zusammen. Die von einem Pastoralteam organisierte Arbeitsteilung nutzt die verschiedenen Synergien und Charismen. Dieses verstärkte Engagement der Gläubigen in der Pastoral und Verwaltung der Gemeinden im Seelsorgeraum gestattet den Priestern, sich bedeutend intensiver auf die Seelsorge zu konzentrieren.
Gibt es auch mögliche Nachteile der Seelsorgeräume?
Bischofsvikar Rupert Stadler: Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit bzw. eine Arbeitsteilung ist die intensive Kommunikation aller Beteiligten, d. h. ein unbedingtes Miteinander über Pfarr- bzw. Gemeindegrenzen hinweg sowie das hohe Maß an gegenseitigem Ver- und Zutrauen.
In manchen seit 1. Jänner 2013 neu etablierten Seelsorgeräumen kennen sich die Gläubigen noch nicht oder interessieren sich noch nicht ausreichend über die Stärken oder Schwächen der anderen Gemeinde. Dieser Umstand verzögert leider die erfolgreiche Nutzung von Synergien oder lässt für die Pfarrangehörigen so manche Fragen offen, warum beispielsweise Gottesdienstzeiten geändert werden müssen oder eventuell administrative Umorganisationen vorgenommen werden.
Wie zeigen sich die positiven Erfahrungen der pfarrübergreifenden Zusammenarbeit?
Nikolaus Csenar: In der Regel treffen sich die Pfarrgemeinderäte, um sich und die Besonderheiten der einzelnen Gemeinden kennen zu lernen; gemeinsam organisierte Arbeitstreffen der einzelnen PGR-Ausschüsse (wie beispielsweise Caritas, Liturgie oder Verkündigung) vertiefen schön langsam die Zusammenarbeit und sehr bald wird das erste Pfarrblatt, die erste gemeinsame „Pfarrzeitung für den Seelsorgeraum" erstellt.
Darin stellen sich die Gemeinden vor, es werden die jeweiligen Pfarrveranstaltungen und Gottesdienste veröffentlicht und sehr bald wird erkannt, dass es so etwas wie einen „Veranstaltungskalender des Seelsorgeraumes" wird geben müssen. Dieser Zusammenarbeit folgen, wie berichtet, eine gegenseitige Unterstützung im Kirchenchor oder gemeinsame Bildungsveranstaltungen, gemeinsame Gottesdienste, Bibel- und Gebetsrunden, die man schließlich viel lieber besucht, weil es auf einmal viel mehr Menschen in der Runde und als Mitfeiernde gibt.
Entsteht da nicht auch so etwas wie ein „Wir-Gefühl"?
Nikolaus Csenar: So entsteht in den neuen Runden wider Erwarten ein Gefühl der Geborgenheit und des Wohlbefindens. Dies wäre auch eine sehr gute Basis für eine erfolgreiche Kinder- und Jugendarbeit, wenn sich diese in gewissen Abständen im Seelsorgeraum zu Spielen, Vorträgen oder sonstigen gemeinsam vorzubereitenden Veranstaltungen treffen. Ist ausreichend Misstrauen abgebaut, erleichtert die zentrale Verwaltung der Matrikel oder die gemeinsame Buchführung das pfarrliche Leben.
Welche Erfahrungen nehmen Sie von den bis jetzt besuchten „Dekanatsvollversammlungen" mit?
Bischofsvikar Rupert Stadler: Diese sind in der Regel sehr stark von der Stimmung und der positiven Einstellung der einzelnen Mitglieder im Koordinierungsteam, insbesondere natürlich des jeweiligen Dechants, zum aktuellen Diözesanen Entwicklungsprozess geprägt. Je besser es den Teams gelingt, wertoffene und informative Versammlungen zu gestalten, umso mehr erkennen die einzelnen Pfarrgemeinderäte, dass sich dieser Erneuerungsprozess nicht bloß in einer Strukturdiskussion, sondern vielmehr als geistlicher Prozess und sich auch als pastorale Notwendigkeit darstellt, um die seelsorgliche Betreuung in der Verantwortung des Gemeinsamen Priestertums aller Gläubigen für die kommenden Jahrzehnte vor allem in den vielen kleinen Pfarren unseres Vikariates sicher zu stellen.
Da möchte ich die Gelegenheit nützen und allen herzlich danken, die in den bereits 8 stattgefundenen Dekanatsvollversammlungen im Südvikariat dazu beigetragen haben, dass wir motivierende Veranstaltungen durchführen konnten.