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19.05.2014

Mama, wen wählst du? Kinder und Politik

Politik geht auch an kleinen Kindern nicht spurlos vorüber.

DER SONNTAG: Politik ist allgegenwärtig und wirkt in alle Bereiche des Lebens hinein.  Wann und wie begegnen auch schon kleine Kinder der Politik?

Karin Felbinger: Kinder begegnen schon sehr früh der Politik. Wenn wir mit unseren Kindern in der Stadt spazieren gehen, dann sind die Wahlwerbeplakate mit den großen Fotos der einzelnen Politiker für sie nicht zu übersehen. Kinder nehmen Bilder, noch dazu, wenn sie sich ständig wiederholen, als erstes wahr. Und fragen dann ganz bestimmt: „Wer ist das?" Das kann schon Ende des 2. Lebensjahres vorkommen.
Kinder begegnen Politikern aber auch in Diskussionssendungen, durch Fotos in Printmedien oder persönlich bei öffentlichen Veranstaltungen. Besonders am Land ist die Frau Bürgermeister oder der Herr Bürgermeister jedem Kind spätestens ab dem Kindergarten bekannt. Wenn Eltern z.B. in einer Bürgerinitiative, in der Kirche, im Umweltschutz engagiert und aktiv sind, bekommen die Kinder auf diese Weise Politik sehr früh mit.

 

Aber ab welchem Alter macht es Sinn, Kinder an das Thema Politik und wie sie ihr Leben beeinflusst heranzuführen?

Das kann ich allgemein gar nicht beantworten. Ein Kind zeigt früher Interesse, das andere später. In einem demokratischen Elternhaus erleben Kinder, dass sie mitgestalten, mitbestimmen und Verantwortung übernehmen können. Sie werden in Familienentscheidungen wie zum Beispiel die Urlaubsplanung mit einbezogen. Und ihre Meinung wird ernst genommen. Also Politik im Kleinen. Das ist ein wichtiger Grundstein dafür, dass Kinder Interesse an sozialpolitischen Themen entwickeln und sich für etwas einsetzen, stark machen.


Im Volksschulalter entwickelt sich auf Grund der Neugierde von Kindern, Dinge erfassen und einordnen zu wollen das Interesse an Politik. Und sie stellen häufig Fragen zu diesem Thema. Sie kennen dann schon den einen oder anderen Politiker und politische Parteien, können aber den Zusammenhang als Ganzes noch nicht erfassen.

 

Wie kann man Kinder für Politik interessieren?

Indem wir zu Hause immer wieder Themen wie z.B. Arbeitslosigkeit, Umweltschutz, Armut, Hunger ... aufgreifen und darüber diskutieren. Es ist möglich, dass schon kleinen Kindern im Kindergarten auffällt, dass eines ihrer Spielgefährten ein Problem hat, weil der Papa keine Arbeit findet oder die finanzielle Situation schwierig ist. Es gibt ja fast keine Bereiche in unserem Leben, die nicht von Politik bestimmt werden. Später kommen globale Themen dazu über die wir reden können z.B. Klimaschutz oder die Rüstungsindustrie.


Kinder können den Begriff „Demokratie" noch nicht einordnen, begreifen aber, dass ein Land Grenzen hat, Berge und Seen oder Wüste. Und können mit den Begriffen Friede, Teilen oder Kampf etwas anfangen. Ergänzend können wir Bücher, Printmedien oder Kindernachrichtensendungen anbieten, die wieder zu Gesprächen anregen.

 

Eltern sprechen zu Hause über vieles – besonders vor Wahlen bestimmt auch vermehrt über Politik. Was lernen Kinder aus Gesprächen der Eltern über Politik, wenn sie noch gar nicht genau wissen, was Politik eigentlich ist?

Oft nehmen die Kinder die Bilder und Gespräche nur am Rande auf und trotzdem wird ihr Wissen dadurch vergrößert.  Was sich aber als frühestes entwickelt ist eine affektive Einstellung zu einer Person aufgrund dessen, wie sympathisch sie dargestellt wird und wie über sie gesprochen wird. Also sind Eltern bis Ende der Volksschulzeit prägend für die politischen Gefühle. Wenn wir uns also sehr negativ über eine bestimmte Person oder Partei äußern, bekommt diese Gefühlsregung unser Kind sehr wohl mit und solidarisiert sich mit uns.

 

Jugendliche sind ab dem 16. Geburtstag wahlberechtigt. Wie kann man Jugendliche an die erste Wahl heranführen?

Viele Schulen organisieren einen Besuch im Parlament, um an einer Sitzung teilzunehmen. Dann kommt bei den meisten die Frage: Welche Partei wählst du Mama oder Papa und warum? Eine Auseinandersetzung mit den Parteiprogrammen und den Personen, die für diese Partei stehen folgt. Nun können sich die Jugendlichen ein besseres eigenes Bild machen. Spannend sind Diskussionsrunden der Spitzenkandidaten vor der Wahl, die wir uns gemeinsam mit den Jugendlichen anschauen sollten. Eine weitere Chance zur gemeinsamen Auseinandersetzung mit dem Thema. Damit die Unsicherheit nicht so groß ist, erklären wir den genauen Ablauf der Wahl. Und natürlich sind wir Vorbild und gehen gemeinsam dort hin.