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27.05.2014

Franziskus zu den Bischöfen und Priestern

Papst über Ursprung der Kirche und gegen klerikale Überheblichkeit.

Papst Franziskus hat an katholische  Geistliche appelliert, die eigenen Schwächen und Fehler zu erkennen.  Auch Geistliche könnten in ihrem Zeugnis für den Glauben schwankend  werden und fallen, sagte Franziskus am Montag bei einem Treffen mit  Priestern, Ordensleuten und Seminaristen in der Gethsemane-Kirche in  Jerusalem.

 

Überraschungsbesuch beim Franziskanerorden  

Zuvor hatte der Papst am dritten und letzten Tag seiner  Heilig-Land-Reise kurzerhand einen Programmpunkt - ein gemeinsames  Mittagessen mit seinem Gefolge - abgesagt. Stattdessen stattete er  dem Jerusalemer Franziskanerkonvent einen Überraschungsbesuch ab.

 

Zwar sei Christus selbst treu und lasse die Menschen niemals allein,  so der Papst in seiner Ansprache vor den Ordensleuten. "Doch diese  Güte entbindet uns nicht von der Wachsamkeit gegenüber dem  Versucher, der Sünde, dem Bösen und dem Verrat, die auch das Leben  der Priester und Ordensleute durchkreuzen können." Es gebe ein  Missverhältnis zwischen der Erhabenheit ihres Auftrags und der  Hinfälligkeit des Menschen. "Lassen wir uns also nicht von Angst und  Trostlosigkeit besiegen, sondern gehen wir mutig und zuversichtlich  voran auf unserem Weg und in unserer Sendung", so der Papst.

 

Der nahe gelegene Garten Gethsemane, der Ort von Jesu Verhaftung,  erinnere die Geistlichen an die Schwächen der Jünger. Jeder einzelne  muss sich nach Franziskus' Worten auf Doppelzüngigkeit und  Falschheit hin befragen, wie sie der Verräter Judas gezeigt habe  oder Petrus, der den Herrn aus Angst verleugnet habe. Nach  biblischer Überlieferung ließen die jüdischen Schriftgelehrten Jesus  in der Nacht vor seiner Kreuzigung im Garten Gethsemane verhaften.

 

Küche nicht über Papst informiert

Bereits zuvor war Papst Franziskus mit Ordensleuten  zusammengetroffen - bei Mittagessen mit Franziskanerbrüdern im  St.-Salvator-Konvent innerhalb der Jerusalemer Altstadtmauern, für  das der Papst einmal mehr bei seinem Heilig-Land-Besuch vom Programm  abgewichen ist. Vorgesehen war ein gemeinsames Mahl mit dem  päpstlichen Gefolge im Jerusalemer Notre-Dame-Zentrum, doch zog der  Papst diesem einen Überraschungbesuch beim Orden seines Namensgebers  vor.

 

Auf seinen eigenen Wunsch wurde er dabei einzig vom  Vatikanbotschafter, Erzbischof Giuseppe Lazzarotto, und vom Kustos  der Franziskaner im Heiligen Land, Pierbattista Pizzaballa,  begleitet. Nach Ordensangaben kam der Besuch so überraschend, dass  die Küche nicht mehr rechtzeitig über den hohen Gast informiert  werden konnte. Auch die Brüder seien erst eine Stunde vor dem  Mittagessen informiert worden. Über den Speiseplan wurde nichts  bekannt.

 

Die Franziskaner spielen als "Hüter der Heiligen Stätten" eine  wichtige Rolle im Heiligen Land. Der Ordensgründer selbst, der  heilige Franz von Assisi (1181/82-1226), hatte ihre Anwesenheit an  den Stätten der Bibel ausdrücklich gewünscht. 1229 war der Orden  erstmals im Heiligen Land vertreten.  

 

Hl. Messe im Abendmahlsaal

Zum liturgischen Abschluss seiner  Nahost-Reise hat Papst Franziskus eine Messe auf dem Jerusalemer  Zionsberg gefeiert. Mit dem Gottesdienst im sogenannten  Abendmahlssaal neben der deutschen Benediktinerabtei, der Dormitio, endete das dreitägige Besuchsprogramm. Im Mittelpunkt der Messfeier  stand die Herabkunft des Heiligen Geistes zu Pfingsten, die von der  kirchlichen Tradition mit diesem Ort verbunden wird. Es ist zugleich das Gründungsdatum der Kirche.

 

Rechtsnationale jüdische Aktivisten hatten Proteste gegen die Messe  angekündigt. Sie argumentierten, die christliche Feier entweihe das  unter dem Abendmahlssaal von Juden verehrte Davidsgrab. Seit dem  frühen Morgen waren Sicherheitskräfte massiv auf dem Zionsberg nahe  der Altstadt präsent. Einige potenzielle Störer waren vorab mit  Hausarrest belegt worden.

 

Franziskus, der am Ende der Reise sehr erschöpft wirkte, betonte in  seiner Predigt den Ursprung der Kirche an diesem Ort: "Hier ist die  Kirche entstanden und von hier ausgegangen", sagte er. Der  Abendmahlssaal erinnere an die Geburt einer neuen Familie. "Alle  Kinder Gottes, aus jedem Volk und jeder Sprache, ist eingeladen und  berufen, Teil dieser großen Familie zu werden", so der Papst.

 

Der Abendmahlssaal verweise die Menschen auf die Gebote der  Nächstenliebe und des Teilens. Mit der Geste der Fußwaschung an  seinen Jüngern habe Jesus die Menschen gelehrt, einander zu  akzeptieren und zu dienen; "das heißt, dem Armen, dem Kranken, dem  Ausgeschlossenen zu dienen", sagte Franziskus.

 

Der Abendmahlssaal erinnere weiters an den Verrat Jesu und stehe  zugleich für Harmonie und Frieden unter den Menschen, die Jesus zu  Freunden gemacht habe, so Franziskus. Seine Predigt beendete er mit  dem Wunsch: "Herr, sende herab deinen Geist und erneuere das Antlitz  der Erde."

 

Der Komplex des Abendmahlssaals und des Davidsgrabes ist seit 1948  im Besitz des israelischen Staates. Verhandlungen mit dem Vatikan  sehen vor, dass im Abendmahlssaal künftig in einem engen Zeitfenster  christliche Gottesdienste von allen Konfessionen gefeiert werden  können. Diese Lösung ist aber noch nicht besiegelt.