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28.05.2014

Der Staudamm Belo Monte bedroht die Menschen am Rio Xingu in Brasilien.

"Die Menschen verlieren ihr zu Hause", so Bischof Kräutler.

"Wir verlieren unser zu Hause. Nur daran zu denken macht mich unendlich traurig." Maria das Graças de Oliveiras Blick wandert zur Kokospalme im Garten. "Die haben mein Mann und ich vor 23 Jahren gepflanzt. Unsere Träume und die Zukunft unserer Kinder gehen unter."

 

Nicht reich, aber zufrieden

Die Oliveiras sind nicht reich, aber zufrieden. "Der Fischfang bringt uns genug ein. Mehr wollen wir gar nicht. Das ist ein guter Platz zum Leben." Doch das Haus am Ufer des Xingu wird durch den Rückstau des Kraftwerks Belo Monte überflutet. "Unangemeldet standen eines Tages Techniker vor unserer Tür und sagten nur, dass wir weg müssen. Sie haben alles vermessen und meinten, wegen der Entschädigung meldet sich jemand. Das ist nie geschehen." Seit diesem Tag kreisen in Marias Kopf viele Fragen: Wo sollen wir hin? Wie hoch ist die Entschädigung? Wer gibt sie uns? Ob sie überhaupt zu ihrem Recht kommen ist fraglich, denn wie so viele Betroffene haben sie nur einen Kaufvertrag und keinen Grundbucheintrag, der sie als Besitzer ausweist.

 

"Ich bin jetzt 58 Jahre alt und muss nochmals von vorne anfangen." Maria hat immer angepackt und war sich für nichts zu schade, ist eine Woche oder länger mit dem kleine Boot zum Fischen rausgefahren. Heute kümmert sie sich vor allem um den Verkauf. "Das Rechnen habe ich mir selber beigebracht", erzählt die fünffache Mutter, die bis vor kurzem nie eine Schule besuchte. Als die Techniker da waren und von der Überschwemmung ihres Hauses sprachen, ist ihr bewusst geworden, dass es für sie als Analphabetin sehr schwer ist, ihre Rechte einzufordern. Seither besucht sie eine Schule und lernt lesen und schreiben.

 

Kein Fortschritt

Ein paar Straßenzüge weiter streichelt Elivania der kleinen Tânia behutsam über den Kopf. Die junge Mutter liegt mir ihrem Baby im Haus für Mutter und Kind. Hier hat sie sich auf die Geburt vorbereitet und ist froh, auch die erste Zeit nach der Geburt hier verbringen zu können. In Ihrem Dorf im Hinterland hätte sie nicht auf Hebamme und Arzt zählen können.

 

"Im Busch ist jede Schwangerschaft ein Risiko. Die medizinische Versorgung ist noch immer sehr mangelhaft. In unserem Haus für Mutter und Kind konnten schon tausende Kinder gerettet werden", berichtet Bischof Erwin Kräutler.

 

SEI SO FREI, die entwicklungspolitische Aktion der Katholischen Männerbewegung unterstützt ihn dabei. So wie auch Maria das Graças und die rund 7.000 weiteren Familien, deren Häuser in Kürze überschwemmt werden. Bischof Kräutler steht trotz Morddrohungen und Attentatsversuchen an der Seite der Betroffenen und findet klare Worte: "Statt Fortschritt bringt Belo Monte Tod. Ich werde nie still sein wenn es um Menschenrechte geht und bin überzeugt, dass eine anderer Welt möglich ist."