Die Katholische Frauenbewegung (kfbö) verliert mit Barbara Prammer eine überaus interessierte und engagierte "Verbündete und Fürsprecherin": Das sagte kfbö-Vorsitzende Barbara Haas am Montag, 4. August 2014, zum Tod der früheren Nationalratspräsidentin.
Nach der Wahl von Haas an die Spitze der zahlenstärksten Frauenorganisation in Österreich im Frühjahr 2012 habe Prammer von sich aus Kontakt gesucht und das gemeinsame Anliegen, Frauen Rechte und Gestaltungsmöglichkeiten in der Gesellschaft zu sichern, in mehreren gemeinsamen Projekten verfolgt. Sie betrachte es als Privileg, "so einer beeindruckenden Frau begegnet zu sein" und sei tief betroffen über ihren so frühen Tod, sagte Haas.
Die kfbö-Vorsitzende erinnerte daran, dass Barbara Prammer - schon sichtlich von ihrer Krebserkrankung gezeichnet - im heurigen Frühjahr Gastgeberin beim Benefizsuppenessen im Rahmen der "Aktion Familienfasttag" in Parlamentsräumlichkeiten war. Trotz zahlreicher anderer Verpflichtungen habe Prammer auch sofort zugesagt, die Kampagne zum Familienfasttag durch ihr Auftreten in einem kfb-Werbespot zu unterstützen. Im vergangenen Sommer sei die Nationalratspräsidentin eigens zu einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Sommertagung der Frauenbewegung in die Steiermark angereist.
Obwohl kirchendistanziert, habe Prammer den Einsatz der Katholischen Frauenbewegung für Frauenrechte - auch im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit - geschätzt und gefördert, berichtete Haas. Beide Barbaras hätten trotz unterschiedlicher Herkunft und verschiedenem Werdegang "viele Berührungspunkte" gehabt. Prammer habe sich dadurch ausgezeichnet, jenseits ideologischer Scheuklappen eine sehr interessierte, offene und authentische Persönlichkeit zu sein; ihre Verdienste um eine sachliche, engagierte und zugleich versöhnliche Politik zeigt sich für Haas nun auch in der großen Betroffenheit über Parteigrenzen hinaus.
Alle Frauen in Österreich würden noch lange von Prammers Einsatz zehren können, meinte Haas. Für sie bleibe die Verstorbene ein Vorbild und "Ermutigung, in diese Richtung weiterzugehen". Sie wolle bei einem Wienbesuch in dieser Woche die Gelegenheit wahrnehmen, sich von der in der Säulenhalle des Parlaments aufgebahrten Politikerin persönlich zu verabschieden.