Vom Curhaus am Stephansplatz macht sich der Nikolo auf den Weg in die Spiegelgasse. Seit über zwei Jahrzehnten ist es Tradition, dass Dompfarrer Toni Faber in die Rolle des heiligen Nikolaus tritt und die Kinder überrascht. Das Gepäck enthält authentische Bischofsutensilien. „Es ist alles echt, direkt aus dem Stephansdom“, bestätigt der Dompfarrer.
Und so trägt Toni Faber Bischofsstab, Bischofsmütze, Pluviale, Stola und Albe in einem speziellen Koffer. Nur eines ist nicht echt: „Unecht ist der Bart, aber echt ist die Liebe zu den Kindern, das man ihnen in dieser Liebe etwas von der Gestalt des heiligen Nikolaus darstellen kann, was sie selber anregt, wie der Nikolo, selber Gutes zu tun, das ist die Kernbotschaft“, erläutert Toni Faber. Er hofft auch nicht, dass eines der Kinder aufgrund des Bartes, ängstlich reagieren wird. „Ich behaupte auch nicht, ich sei der Nikolo, sondern nur der Helfer des heiligen Nikolaus“, klärt Toni Faber seinen Zuständigkeitsbereich in „Sache Nikolaus“.
Nach wenigen Minuten ist der Kindergarten erreicht. Melanie Katzinger, derzeitige Leiterin, freut sich über den Besuch des Nikolo: „Wir haben den Kindern gesagt, dass sie heute vielleicht Besuch bekommen“, erläutert die Pädagogin. Je 21 Kinder im Alter zwischen einem und sechs Jahren in drei Gruppen besuchen den Kindergarten.
Toni Faber zieht sich in einem Raum um und dann klopft der Nikolo an die Tür des Gemeinschaftsraumes. Die Kinder machen große Augen, als er den Raum betritt, die ganz Kleinen sind dann doch etwas unruhig, aber der fachpädagogische Umgang der Kindergärtnerinnen trocknet schnell so manche Unsicherheitsträne.
Gemeinsam mit den Kinder singt der Nikolo, der auf einem Kinderhocker in Augenhöhe der Kinder Platz genommen hat, Advent- und Nikolauslieder, überreicht kleine Geschenksäckchen und lässt so Kinderherzen höher schlagen. Manch Schlauer möchte schauen was hinter dem Bart ist, aber das lässt der Nikolo natürlich nicht zu.
Ein kleiner Bub mit Namen Nicolas bekommt auch einen Namenstagsglückwunsch vom Nikolo ausgesprochen. Und was sagt der Nikolo-Darsteller am Ende seines Besuchs? „Das Strahlen der Kinderaugen und ihrer Herzen machen vieles Wett, auch wenn man den Bart in den Mund bekommt“. Kein Wunder, der ist ja nicht echt.